Wir bauen um! Diese Website befindet sich im Aufbau – die vollständige Version mit allen Funktionen wird in Kürze verfügbar sein.

Sport als Kitt der Gesellschaft und Motor für Nachhaltigkeit: Rückblick zur Konferenz „Echte Verbindung“

Als Höhepunkt unserer Kampagne rund um Sport, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt fand in Frankfurt am Main eine Konferenz rund um die Verbindungen zwischen diesen Themen statt. Zentrale Aussagen und Erkenntnisse des Tages hier.

Im schwebenden Saal des Frankfurter Stadthauses kamen am 18. September rund 100 Teilnehmende aus Vereinen und Verbänden, Verwaltung und Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Gemeinsam wurde diskutiert, was Sport leisten kann, um den Zusammenhalt in Deutschland zu stärken – aber auch, was der organisierte Sport braucht, um diese Funktion als Kitt der Gesellschaft umfänglich auszufüllen. Beleuchtet wurde zudem, wie über den Sport Akzeptanz und Aktivität für den Klimaschutz ausgebaut und wie Sport vor Unterwanderung und Einflussnahme von Rechtsaußen geschützt werden kann.

Sport als Ort der Vielfalt und vielfältiger Lösungen

Der Tag startete mit einem Grußwort von Dr. Klaus Reuter, Vorstandsmitglied des RENN e.V. Er ordnete die Konferenz als Teil der Kampagne „Echte Verbindung“ des Vereins ein. Diese transferierte die im Jahresverlauf gesammelten Erkenntnisse zur Stärkung des Zusammenhalts und zur Auflösung zentraler Spannungsfelder in der Gesellschaft in den Bereich Sport. Denn besonders in den Vereinen könne konkret daran gearbeitet werden, demokratische Werte zu vermitteln, das Miteinander mit Leben zu füllen und so auch gemeinsames Engagement für die Zukunft zu stärken. „Der Sport ist vergleichbar mit Religion. Nirgendwo kommen so unterschiedliche Menschen zusammen wie hier.”

Teamwork für Klimaschutz – Keynote von Louisa Schneider

Wie diese Vielfalt im Sport dazu beitragen kann, Klimaschutz in die Mitte der Gesellschaft zu bringen, mehr Einsatz zu fördern und Akzeptanz für notwendige Lösungen zu stärken, zeigte Klimajournalistin Louisa Schneider in ihrer Keynote. Aus ihren persönlichen Erfahrungen vom Sportplatz, mit der Flutkatastrophe im Ahrtal und ihren Reisen in Klimakrisengebiete machte sie die Verschränkungen dieser Themen greifbar. Eindrücklich demonstrierte sie mit Bildern versunkener Sportplätze in ihrem Heimatdorf, wie die Klimakrise uns schon jetzt und tagtäglich betrifft.

Dieses Wissen sei zentral bei der Suche nach Lösungen: „Daheim im Dorf, auf dem Sportplatz, kommen die Menschen zusammen. Hier wird es möglich, Gespräche zu führen und Fragen zu stellen, die man an anderen Stellen vielleicht nicht wagen würde.“

Weiter stellte die Klimareporterin drei wichtige Fragen in den Raum, die es besonders mit Blick auf die Schaffung von Zusammenhalt über den Sport zu bedenken gilt: „Wer hat Zugang zu Sport? Wer fühlt sich beim Sport wirklich sicher? Wie können wir das zusammen besser machen?“

Sie motivierte, mehr auf Narrative zu setzen, die das „Ja“ in den Fokus stellen, statt dauernd das „Nein“ und den Verzicht. Also weniger den Diskurs an Verbote oder Verzichte binden, sondern Menschen mit emotionalen Geschichten für ein „Ja“ zum Klima- und Umweltschutz bewegen.

Ihr abschließender Hinweis: „Wer glaubt, kleine Dinge hätten keine Wirkung, war noch nie in einem vollen Stadion!” Deshalb heiße es, Klimaschutz als globalen Teamsport zu verstehen – und so zu gewinnen.

Wer kann teilhaben, wer wird gefördert, wer hält zusammen – Podiumsdiskussion

Bei der anschließenden Gesprächsrunde auf dem Podium diskutierte Moderator Matthias Esch mit Louisa Schneider sowie Fatma Polat vom Mainzer Sport- und Kulturverein Arc-En-Ciel, dem Vorsitzenden des Frankfurter Sportkreises Roland Frischkorn sowie der Ranstädter Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel, Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Kultur und Sport des Hessischen Städte- und Gemeindebunds.

Im Fokus standen besonders die Rahmenbedingungen, die es in Kommunen, Sportvereinen und -verbänden braucht, damit Sport als sozialer wie ökologischer Akteur bestmöglich wirken kann. Wichtig waren dabei die Themen Klimaschutz, soziale Teilhabe, Förderstrukturen, notwendige Strukturveränderungen und Wege zur Schaffung von Zusammenhalt. Es wurde deutlich, dass Sportvereine bereits aktiv sind und Großes leisten, aber oft unter Ressourcenmangel leiden und viele Potenziale noch entfesselt werden könnten.

Klimaschutz wurde mehrfach als Chance beschrieben, aber auch als zusätzliche Belastung erkannt. „Klimaschutz darf nicht zum Privileg werden, besonders wenn ärmere Haushalte stärker von Klimafolgen betroffen sind“, mahnte Louisa Schneider.

Die soziale Dimension – wer Zugang hat und wer und aus welchen Gründen ausgeschlossen bleibt – spielte eine zentrale Rolle in der Diskussion. Besprochen wurde u.a., wie die Ansprache für unterschiedliche Gruppen angepasst werden kann. Fatma Polat verdeutlichte dies mit einem eindrücklichen Vergleich, der ganz konkret zum Perspektivwechsel anregt: „Für uns ist der Wald ein romantischer Ort der Ruhe und damit selbstverständlich schützenswert. Für ein geflüchtetes Kind aber ist der Wald mit Fluchtrouten, unheimlichen und gefährlichen Wegen, verbunden.“ Hier werde verständlich, wieso es unterschiedliche Ansätze braucht, um Menschen für die Teilhabe an Nachhaltigkeitsengagement zu aktivieren.

Wichtig war auch die Auseinandersetzung mit der finanziellen Ausstattung, insbesondere der Förderstruktur für Vereine, sowie politischen Rahmenbedingungen. Cäcilia Reichert-Dietzel wies hier auf die Komplexität und Intransparenz von Förderprogrammen hin. Und forderte zur Verbesserung den kommunalen Finanzausgleich sowie den Status einer Pflichtaufgabe für Sport und Kultur, um Mittel gezielter in diesen Feldern zu verteilen. Louisa Schneider hierzu pointiert: „Wir können uns die aktuelle Sparpolitik als Gesellschaft nicht leisten.”

Fatma Polat prangerte zudem an, dass kleine Vereine oft durchs Raster fallen, weil sie Konkurrenzkampf und Klinkenputzen nicht stemmen können. „Wer die Hand hebt, weil er etwas tun will, auf den sollte zugegangen werden!“

Eine wichtige Voraussetzung zur Umsetzung all dieser Punkte benannte Roland Frischkorn: „Wir brauchen mehr Miteinander statt Gegeneinander und Übereinander. Gegensätze sind nur im Miteinander lösbar!“

Sport als Raum für Werte – Im Dialog mit Nina Reip

Nach der Diskussion lud Moderator Matthias Esch die Referentin für Demokratie beim  Deutschen Olympischen Sportbund und der Deutschen Sportjugend Nina Reip zum Impulsgespräch ein. Sie sprach eine häufige Verunsicherung unter Sportakteur*innen an, ob Sport politisch sei oder nicht. „Sport ist parteipolitisch neutral, aber Sport ist hoch gesellschaftspolitisch und wertebasiert! Es ist an uns, in den Sportstrukturen diese Werte zu definieren und auch zu verteidigen.“

Sie verdeutlichte, dass es die Konflikte, die es in der breiten Gesellschaft gibt, immer auch im Sportverein zu finden sind. Vereine würden sich aber häufig scheuen, Konflikte anzusprechen und auszutragen, weil sie anstrengend sind und Energie kosten, die eigentlich ins Sporttreiben fließen solle. „Hier ist es wichtig, die Menschen vor Ort zu unterstützen und eine Konfliktfähigkeit zu schaffen.“ Es müssten gute Mechanismen gefunden werden, um Konflikte zu bearbeiten ohne Angst vor ihnen zu haben.

Ihr Wunsch ist eine Anerkennung der enorm wichtigen Rolle der Zivilgesellschaft für das demokratische Miteinander – ohne dabei mit Aufgaben zu überfordern, die mit den aktuellen Strukturen und Ressourcen nicht leistbar sind. „Und dass wir das Vertrauen von der Politik erhalten, dass wir das, was wir tun, gut machen – und dass das, was nicht läuft, gemeinsam neu gestaltet wird.“

Kooperation und Konfliktfähigkeit im Fokus

Vor der Mittagspause starteten die Teilnehmenden noch ein Speed-Networking, in dem die Suche nach gemeinsamen, neuen Kooperationen im Fokus stand.

Frisch vernetzt wurde dann die angesprochene Konfliktfähigkeit geschärft: In vier Werkstätten wurden durch Rollenspiele zentrale Spannungsfelder der Gesellschaft erlebbar. Es ging um Verteilungskonflikte, Fragen von Zugehörigkeit und Anerkennung sowie Konflikte zwischen ökologischen Zielen und Vereinsinteressen. Die Teilnehmenden übten Perspektivwechsel, den Umgang mit Differenzen sowie das Aushalten der Konflikte – und suchten gemeinsam nach Lösungen für typische Streitfragen.

Herausgearbeitet wurde, dass Ursachen für Konflikte oft die Angst vor Veränderung, aber auch Überforderung durch die Größe, Komplexität und Schnelllebigkeit von Themen seien. Lösungsansätze sollten daher auf Unterstützung und Kooperation abzielen, Sorgen sollten erkannt und ernst genommen werden und komplexe Herausforderungen in die Einzelteile heruntergebrochen werden, die im Verein angegangen werden können.

Geleitet wurden die Werkstätten von Anne Portscheller (KATE Umwelt & Entwicklung), Fatma Polat (Arc-En-Ciel Mainz), Franziska Schulz (Berlin 21) und Anne Mich (agenda.N).

Rechte Gefahr für sportliches Miteinander – Keynote von Prof. Dr. Wolfgang Schroeder

Am Nachmittag rundete eine Keynote von Prof. Dr. Wolfgang Schroeder, Professur für Politisches System der BRD – Staatlichkeit im Wandel Universität Kassel, das Programm ab. Diese drehte sich um die Frage, wie der Sport als Kitt unserer Gesellschaft geschützt werden kann – insbesondere vor der Unterwanderung durch rechtsextreme Akteur*innen.

Prof. Dr. Wolfgang Schroeder zeigte auf, wie unsere Gesellschaft aktuell durch multiple Krisen und ständig steigendes Misstrauen gegenüber (demokratischen) Institutionen geprägt ist. Hierzu unterstrich er: „Gesellschaft ist immer ein wenig gespalten und polarisiert – die Frage ist, wie viele Kräfte es gibt, die diese Effekte abbauen und mildern, um den Basiskonsens zu stabilisieren?“

Er wies darauf hin, dass Sport von rechtsextremen Stimmen unterwandert und als Instrument genutzt werden kann, um gegen demokratische Werte zu wirken. Aktuell sei dies aber nur isoliert in bestimmten Sportfeldern und -kontexten vorzufinden. Um einer Ausbreitung entgegenzuwirken, brauche es mehr Systematisierung von Gegenmaßnahmen, die nicht als einmalige Ereignisse, sondern konstanter Prozess laufen müssten. Dies fange bei Grundsatzpapieren an und gehe bis zu Schulungen von Trainer*innen und darüber hinaus.

Auf eine Rückfrage aus dem Publikum fokussierte Prof. Dr. Schroeder den Blick auf die Partei AfD. „Die AfD ist mittlerweile so weit, dass sie Gelder mobilisieren kann, insbesondere für kleinere Vereine, die dann mit Bedingungen für diese Vereine bereitgesellt werden.“ Dies sei vor allem in der ländlichen Vereinswelt vorzufinden und füttere einen gefährlichen Trend der Normalisierung. Gerade mit Blick auf junge Gruppen seien hier Aufklärung, Bildung und Sensibilisierung zentral.

Die PowerPoint-Präsentation mit Daten und Fakten zum Thema steht zum Download: PDF

Sport als Verstärker für die Gemeinschaftlichkeit

Zum Abschluss richtete sich Josef Ahlke, Vorstandsmitglied des RENN e.V., an die Teilnehmenden. Mit dem Bild eines Fußballes und dessen einzelnen Feldern verbildlichte er, wie Themen und Ziele der Nachhaltigkeit zusammenhängen. „Der Ball funktioniert auch nur, wenn alles ineinandergreift.“

Wichtig bleibt die Erkenntnis: In Zeiten zunehmender Hetze und aufgeheizter Debatten, kann der Sport wie Kleber für die Gesellschaft wirken, den wir dringend brauchen, um gemeinsam die Herausforderungen der nötigen sozial-ökologischen Transformation zu meistern.

Weitere Inhalte der Kampagne „Echte Verbindung“ hier.

Weiterlesen

Diesen Artikel teilen